Zutaten

Keksteig
Zuckerperlen
gute Nerven
Melody
Carola Heine, Nickname seit 1994 "Melody". Bloggt seit 1996, lebt vom Schreiben, liebt Foodblogging.

Warum Vulva Cookies?

Die erste Frage war: Wo sortiere ich diesen Text ein? Eigentlich ist es kein Rezept, sondern ein Blogpost. Aber ich möchte, dass er von möglichst vielen Menschen gelesen wird und die Vulva Cookies auch von denen nachgebacken werden können, die zehn Daumen und keine Hobbybäcker-Ambitionen haben.

Also ab damit in den Rezepte-Teil von Planet Alltag: Abonniert mal meinen Newsletter, alle anderen Kanäle dienen sowieso nur dem Algorithmus der Betreiber. Nur Mail landet noch meistens ohne Fremdsortierung vor eurer Nase.

Gebrauchsanleitung für diesen Text

Weder Anatomie-Buch noch Ode an das weibliche Organ

Viele von euch fanden mein Social Posting mit den Vulva Cookies sehr lustig und reagierten entsprechend. Ich hoffe, Ihr seid jetzt nicht enttäuscht, dass ich hier keine Erläuterung für etwas bieten werde, das man in 2 Sekunden googeln kann: nämlich was die Vulva ist. Das schafft ihr ohne mich.

Stellt euch eine Skala vor, auf deren einen Seite rechts eine konservativ aufgeklärte Frau mit zusammengekniffenen Lippen (oben) konsequent von “da unten” spricht, wenn es um weibliche Geschlechtsorgane geht. Auf der ganz anderen Seite der Skala links sortiert die entspannte Hippie-Göttin ihre Vibratorensammlung und wirft sich unbekleidet, aber mit Farbe bestrichen gegen Leinwände, um ein Bild der Yoni zu erschaffen.

Ihr seht die Skale vor euch? Rechts eingeengt verklemmt, links ein bisschen sehr enthemmt? Dazwischen alle Farben des Regenbogens und der ganze Tiergarten? Gut.

Jetzt die Mitte zwischen beiden suchen und einen ordentlichen Schritt oder zwei nach links. Da. Ihr habt mich gefunden. Eine ihren Teenager liebevoll mit Aufklärung folternde peinliche Mama, die das Stricken oder Häkeln einer schönen Erklär-Vulva aber im Zweifelsfall auslagern würde.

Anleitung für genau diese Kekse

Der Teig für die Vulva Cookies ist mit der Backmischung für Kekse aus dem großartigen Online-Shop der Backschwestern.de gemacht. Ich habe ihn selbst gekauft, habe schon oft dort eingekauft. Niemand bezahlt mich dafür, das Produkt zu erwähnen und zu empfehlen. Wenn Ihr das Ei in der Anleitung gegen etwas Sojamehl und Wasser tauscht, sind die Cookies vegan.

Bitte erzählt mir nicht, dass man den Keksteig selbst machen kann. Ihr seid auf meinem Foodblog, ich weiß das. Mir ist es wichtig, hier einen Teig aufzuzeigen, mit dem buchstäblich jeder Cookies machen kann, die ein Muster gut halten. Hier ist noch ein Rezept für einen Teig, der für eine Keksrolle mit Muster oder Relief

geeignet ist.

Auf den Bildern seht ihr Vulva Cookies, die ich mit einem bei Bakerlogy gekauften Vulva Cookie Cutter / Ausstecher gemacht habe. Vulva-Kekse könnt ihr auch einfach »freestyle« machen, formt einfach frei.

Bitte weist mich jetzt nicht mehr darauf hin, dass es im Shop noch andere weibliche Körperteile gibt. Das weiß ich. Ich habe den Shop gefunden, weil ich für eine liebe Freundin einen Clitoris Cookie Cutter gesucht und gefunden habe. Das ist eine andere Geschichte und ein anderer Blogpost, der wird dann ebenso hetero und langweilig wie dieser.

Bitte droht mir auch nicht mehr damit, einen doll lustigen Penis-Ausstecher zu schenken oder zeigt mir ach so unwitzige Hoden-Kuchenformen.

Es genießt sehr große gesellschaftliche Akzeptanz, immer sofort einen Mann anzuschleppen, wenn es um ein weibliches Thema geht - man stelle sich nur mal vor, Männer kämen bei irgendwas zu kurz, und sei es eine Info über Vulven! Meine Akzeptanz ist nicht ganz so groß wie der gesellschaftliche Konsens.

Wenn ihr ein Mann seid, den es irgendwie ein bisschen geil macht, wenn Kekse wie etwas aussehen, das ihnen gefällt, schreibt mir das bitte auch nicht. Es ist ja gar nicht interessant.

Alles klar? Dann können wir jetzt ja loslegen 😊 unter dem Bild geht’s weiter.

Zubereitung im Schnelldurchlauf

  • Vulva Cookies entsprechend der Packungsanleitung zubereiten und backen. Zuckerperle einsetzen
  • Haushaltseigene Teenager mit den Vulva Cookies konfrontieren, ggf. auf die Perle hinweisen.

Hast du das zubereitet? Nicht vergessen: Bitte @planet.alltag auf taggen mit Hashtag #planetalltagde :-)

Zubereitung

Sobald ein Keks, Gemüse oder Kuchen wie ein Körperteil aussieht, ist das Gelächter groß. Käsefüße aus Gouda? Muffins mit Nippeln? Big fun! Wer aber stürmischen Applaus ernten will, backt Vulva Cookies. Lachen, Verblüffung, pikierte Reaktionen (“muss das sein”) und Menschen, die zeigen: Das macht mir nichts aus!

Ich teilte das Vulva Cookie Bild mit der Beschriftung: »Als Mutter eines Teenagers oder fast Teemagers lässt sich das häusliche Backen ganz wunderbar mit der Verpflichtung zu höchstmöglicher Peinlichkeit und gründlicher Aufklärung kombinieren.«

Es ist nämlich ganz einfach.

Wenn dem Nachwuchs die Kekse nicht peinlich sind, gratuliert man zur selbstverständlichen Offenheit und einem ganz normalen Umgang mit einem Körperteil, das ziemlich viele Menschen mit sich führen. Dann ist der nächste Schritt, darüber zu sprechen, welche Gründe es gibt, das gut zu finden.

Wenn dem Nachwuchs die Kekse peinlich sind, kann man fragen, ob die Nase oder der Bauchnabel auch peinlich sind. Was den Unterschied ausmacht. Ob bekannt ist, was die Vulva und was die Vagina ist. Dann ist der nächste Schritt, darüber zu sprechen, welche Gründe es gibt, offen und entspannt mit den Namen sämtlicher Körperteile umzugehen. Vor allem aber mit denen DA UNTEN.

Die Gründe

Wenn wir uns schämen, über unsere Körper zu sprechen, können wir es nicht einfach mal eben so benennen, wenn wir Probleme haben. Scham ist eine Hemmschwelle. Das ist nicht nur medizinisch bedenklich.

Das ist auch einer der Gründe, warum Frauen sich schämen und denken, sie hätten etwas falsch gemacht, wenn sie belästigt werden. Klartext fehlt. Klare Namensnennung und eindeutige Ansagen fehlen. “Da unten” ist so eine mystisch verklärte Beschreibung für den gesamten weiblichen Genitalbereich, die es deutlich erschwert, zu sagen: Das ist meins. Das gehört zu mir, das fühlt sich gut an, darüber bestimme nur ich.

Hast du eine Tochter? Dann tu ihr den Gefallen, ihr diese Selbstverständlichkeit mitzugeben. In dem Moment ist es ihr vielleicht peinlich (oder dir), aber es bleibt etwas zurück, das sie sich zu eigen machen kann, wenn sie das will (»Das ist meins. Das gehört zu mir, das fühlt sich gut an und das ist okay, darüber bestimme ich alleine und das darf so«).

Es ist so wichtig, dass Frauen lernen: Nichts an ihrem Körper ist zum Schämen. Weder wachsende Brüste, Haare und andere Körperteile, noch die Periode oder irgendwann die angeblich immer so schlimmen Wechseljahre, die das ja gar nicht sind. Wir werden mit vielen Messages bombardiert, die uns suggerieren, dass Scham angebracht ist. Das ist sie nicht.

Sprachliche Verschwurbelungen auflösen

Achte einmal darauf, mit wie vielen Mystiksprech-Messages wir unsere Kinder bombardieren. “Da” fasst man sich nicht an, “das” ist privat, “man” macht das nicht und jenes ist gefährlich, aber warum eigentlich? Weil wir uns selbst schämen oder weil es bequemer ist, nicht über Intimsphäre, sexuelle Identität und gesellschaftliche Schieflagen zu sprechen?

»Da geht man als Frau besser abends nicht alleine hin« ist so ein Beispiel für Mystiksprech, die wir uns alle auch sparen können, wenn wir für kleine Mädchen keine vernünftige Erklärung mit anhängen, warum das überhaupt gefährlich ist.

Blöder Gedanke, dass wir alle diesen Spruch schon mal gehört haben? Genau. Das sitzt alles ziemlich tief. Wie anerzogene Scham.

Ich finde nicht, dass jede*r immer das ganz große Fass aufmachen muss.

Darüber sprechen, wann Kekse lustig und wann peinlich sind, das ist schon ein sehr okayer Anfang, falls der noch ein bisschen fehlte.

P.S. Mein Teenager hatte nach dem ersten Augenrollen natürlich das Pech, dass ich sie fragte, ob sie weiß, warum eine Zuckerperle in dem Vulva Cookie sitzt 😊

 

Vulva Cookies: Was noch?

Ein bisschen stolz bin ich auf mein Umfeld: Kein einziger öder oder klebriger Witz darüber, ob man die Vulva Cookies lutschen muss oder ob sie lecker sind.

Selbstverständlich sind sie das.


Dieses Rezept bewerten:


Kommentare

  • Avatar
    Christine
    12.04.2020 um 13:11 Uhr

    Wunderbar, liebe Carola! Am allerlustigsten finde ich allerdings, dass „Erdnuss-Bolognese“ und „Weiße Bolognese“ als _ähnliche Rezepte_ unter den Vulva-Cookies gelistet werden 🤣

    Antworten

  • Avatar
    Melody
    12.04.2020 um 17:41 Uhr

    Ich dachte, dass die Rubrik Fingerfood ist 😇

    Antworten


  • Kommentieren