Erfahrungsbericht: App Too Good to go in Düsseldorf

Wir leben in einer Welt des Irrsinns, in der täglich Tonnen von Nahrungsmitteln vernichtet werden, damit irgendwelche Konzerne Profit machen. Ein guter Grund, sich mit nachhaltigen Lösungen zu beschäftigen, die das Problem in Angriff nehmen.

Erfahrungsbericht: App Too Good to go in Düsseldorf

Wir leben in einer Welt des Irrsinns, in der täglich Tonnen von Nahrungsmitteln vernichtet werden, damit irgendwelche Konzerne Profit machen - eine Welt, in der wir unserer Tochter trotzdem Nachhaltigkeit und alternative Möglichkeiten für alle möglichen Alltagsdinge aufzeigen wollen. Foodsharing, Giveboxen und Co sind gute Projekte, an denen wir uns ab und zu beteiligt haben. Jetzt gibt es Too good to go, die Lebensmittelretter-App in Zusammenarbeit mit Läden und Restaurants. Unser Erfahrungsbericht.

Die “Too good to go” App funktioniert so: Man installiert sie auf dem Smartphone und kann dann in einer Auswahl von lokalen Geschäften, Restaurants und bei Händlern wählen, wo man eine “Rettungstüte” kaufen möchte. Man sieht, was diese kostet und wo sie abgeholt werden muss, eine Uhrzeit für die Abholung wird vorgegeben.

Das sieht in der Praxis so aus, dass man in der App sehr viele Restaurants findet, bei denen man ab 22 Uhr eine Doggy-Bag kaufen könnte. Da in den meisten Fällen nicht beschrieben wird, was im Detail enthalten ist, war uns nicht nach Experimenten mitten in der Nacht und auch die Tüten der Bäckereien konnten uns nicht reizen, wir wohnen nämlich neben einer, die ihr eigenes System hat. Also entschieden wir uns für REAL in Ratingen, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Obst und Gemüse im Angebot waren, Freunde von uns mit einer REWE-Tüte gute Erfahrungen gemacht haben und die Abholzeiten halbwegs vernünftig waren, nämlich ab 16 Uhr. Damit ist REAL nämlich eine Ausnahme.

Im Angebot war eine “gemischte Tüte” für 3,50 Euro. Sicherlich muss ich nicht erläutern, wie wenig man heute für 3,50 Euro bekommt - wir haben vorsichtshalber zwei Tüten gekauft, um zuschauen, ob die Inhalte gleich sind.

Erfahrungsbericht Too good to go App, 6. Februar 2019, REAL Ratingen

Bezahlt wird per App und obwohl die irreführende Warnung im Beschreibungstext lautet, dass man nur am gleichen Tag abholen kann, wird beim REAL-Einkauf darauf verwiesen, dass das Abholdatum das tatsächlich genannte ist - sprich: Obowhl die App überall Alarm schlägt wegen der Abholung am gleichen Tag, konnte man bei REAL am Vortag kaufen, in der App bezahlen und am nächsten Tag die Tüte am Info-Stand abholen.

Der Inhalt der ersten Tüte, vollständig, einfach nur ausgepackt inklusive der vergammelten Dinge: Überraschend viel Obst und Gemüse, jedenfalls deutlich mehr als wir erwartet hätten und fast alles ist auch noch brauchbar. Die nicht mehr brauchbaren Sachen sind allerdings richtig fies hinüber.

Erfahrungsbericht: App Too Good to go  3

Der Inhalt der ersten Tüte, ausgesäubert, wir haben den Anblick mal von den verrotteten Rüben, faulenden Äpfeln und schimmelnden Blaubeeren befreit, nur die schimmelnde faulige Tomate ist noch im Paket bei ihren Freunden:

Erfahrungsbericht: App Too Good to go

In beiden Tüten waren vergammelte Rübchen, die schon viele Tage “drüber” waren und verschimmelte Blaubeeren, von vier Paketen insgesamt war unter Mühen ein halbes zu bergen (und die Mühe machte ich mir nur, weil ich ein Foto wollte). Die Äpfel hatten teils Druckstellen, einer war faulig. Das restliche Obst, auch die Bananen und Orangen, sieht gut aus.

Fazit: Man bekommt reichlich Obst und Gemüse fürs Geld, aber bei REAL sollte man trotzdem den Müll in den Eimer werfen und nicht mit in die Tüten stopfen.

Wir haben jetzt viele Salatherzen, viel Chinakohl und so weiter und eine Menge Obst für die nächsten Tage. Das ist eine feine Sache, und sie wäre noch wesentlich feiner ohne Gammelware mit in den Tüten gewesen, aber deswegen schreibt man ja Erfahrungsberichte:

Too good to go ist eine rundum empfehlenswerte App. Wir sind jetzt neugierig geworden und werden, sobald wir die Tonne Weißkohl bewältigt haben, weitere Experimente wagen.

Bei REAL fanden wir es auch super, wie das umgesetzt wird und man kann trotz Aussortieren eigentlich wirklich nicht klagen. Eine Tüte reicht, das ist nämlich eine große, und darin ist reichlich Ware für 3,50 Euro. Die meisten Sachen sind top, man kann auf jeden Fall eine Menge sparen und muss dann ein bisschen kreativ kochen, was ja nicht schlimm ist.

Die Gammelware verdirbt den Eindruck zwar ein bisschen, aber daran kann man ja noch arbeiten.

Eine feine Sache, danke Too good to go und REAL.

Jetzt noch ein Bild von der anderen Tüte, von Gammelrüben und schimmelnden Beeren befreit.


Erfahrungsbericht: App Too Good to go  2

Auch nicht schlecht, oder? Wir würden uns über eure Erfahrungsberichte mit nachhaltigem Einkauf und Eure Tipps freuen 😊

 

 


Kommentare

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    Tina
    22.12.2019 um 17:43 Uhr

    Aha! So sieht das also bei Real aus. Real und Lidl gibt’s hier in Dortmund nicht in unserer Umgebung, dafür einen SuperBioMarkt, der bei TGTG mitmacht. Anfangs war’s ganz leicht, da Coupons zu bekommen, mittlerweile muss man schon das Zeitfenster treffen … Es gibt da Obst und Gemüse (sehr begehrt), abgepackte Produkte und Brot, Kuchen und Brötchen. Nur wenn ich zwei oder drei Kategorien bekomme, fahr ich hin, sonst ist der Umweltaspekt ja hinüber. So eine preiswerte Überraschungstüte mit Nachhaltigkeit zu verbinden, ist echt Win-win. So macht das Spaß. 😊 Mal ist was dabei, was ich nicht so recht gekocht bekomme, weil ich kein nettes Rezept dazu habe (oft bei Kohl der Fall, kann ich auch nicht so easy googlen, weil ich nicht weiß, welche Sorte ich da mitbekommen hab), selten was Angegammeltes. Too Good To Go is echt way to go, wenn man mich fragt – es kommt aber auf den Anbieter an. Spät abends gibt’s gutes Sushi im Portfolio, in einem Café um die Ecke nicht so leckeren Kuchen. Es ist wohl wie immer im Leben: mal so, mal so. Wohnte ich in Düsseldorf, würde ich mal Chidonkey testen. (Schon vom Namen her und weil es hier keine vernünftige mexikanische Küche gibt.) Puh, ist ein Aufsatz geworden. 😊

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      Melody
      22.12.2019 um 22:36 Uhr
      Nächstes Mal zeigst du mir den Kohl, vielleicht gibt es dann Kimchi Tipps oder mir fällt was anderes ein 😎

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        Tina Skulima
        05.01.2020 um 10:50 Uhr
        Der nächste Kohl kommt zur Identifikation zu dir! Schöner Service, dankeschön. 😊 Beim SuperBioMarkt hier in Dortmund muss man richtig schnell sein, um Coupons zu ergattern - ich bleib dran.

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    Carola Lay
    09.01.2020 um 13:00 Uhr

    Das wollte ich auch schon probieren. Bei uns “auf dem Dorf” gibts allerdings nur eine Bäckerei, die mit macht. Da musst du dann hingehen und dir die Sachen abholen. In meiner Testphase war nix gammliges dabei, nur Süßwaren und Brot, die eben morgen nicht mehr verkauft werden können.

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    Melody
    Carola Heine, Nickname seit 1994 "Melody". Bloggt seit 1996, lebt vom Schreiben, liebt Foodblogging.
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