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Maskenzeit und langsame Rezepte

Liebe Foodies und andere Lesenden,

da ist der nun, der Mai voller Schutzmasken in allen Farben und Formen. Mit solchen Gewächsen im Frühling hätten wir nicht gerechnet - wie viele Menschen jetzt wohl ihr ständig mürrisches Gesicht nicht mehr manipulieren müssen, um ungestört durch den Alltag zu marschieren!

Denn das verächtliche Ruhegesicht bzw. RBF (resting bitch face) ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, auf dem man sich allerdings auch faul als Ausrede ausruhen kann. Ich habe leider eher das entgegengesetzte Problem und ein Gesicht, in das auch Fremde ihre persönlichen Probleme entleeren. Ob Masken da auch helfen, wird sich erst noch zeigen 😊

Diesmal habe ich ein aufwändiges und zwei superschnelle Rezepte für euch:

Schokoladenkuchen müssen feucht sein, sonst mag ich sie nicht. Deshalb benimmt sich auch der improvisierte vegane Marmorkuchen vom Blech ein bisschen so, als hätte er von einer Picknick-Karriere im französischen Landhaus-Style geträumt.


Schnelle vegane Zupfkuchen-Variante mit Schokopudding

Statt Dessert: Feelings aren’t facts

Die meisten Sachen, mit denen Teenager sich wonnevoll beschäftigen, führen bei mir zu gar nicht mal so spontaner Ermattung. Danganronpa Cosplay auf Tik Tok verstehe ich zwar sehr wohl, denn es findet hier live täglich mehrere Stunden lang statt. Ich will aber nicht. Ich könnte sehr viele Worte darauf verwenden, wie sehr ich das nicht will.

Aber das wäre unklug, denn der Romeo-und-Julia-Effekt einer Verstärkung durch elterliche Ablehnung ist mir wohl vertraut (von mir selbst). Doch es gibt in diesem Universum auch Teen Vogue, und dort stehen richtig gute Artikel online. Wie dieser: Best advice from my therapist - und die Tatsache, dass alle Artikel rund um die eigene Identität und Sexualität unter Wellness geführt werden. Ein großartiges Online-Magazin, auch für die Erwachsenen unter den Lesenden.

“Statt” Dessert statt “zum Dessert” habe ich als Teaser zu dieser Info geschrieben, weil es sich langsam nicht mehr leugnen lässt, wie viel mehr Nahrung Menschen doch essen, wenn sie größtenteils zuhause bleiben und dann isst man manchmal besser nur das Dessert oder die Hauptmahlzeit, nicht immer beides.

Ich bin manchmal richtig tiefenfrustriert, weil ich so gerne lauter super tolle Sachen kochen und backen würde, wenn ich doch nur die Zeit hätte. Ein Luxusproblem, das ist mir schon klar. Immerhin, ab und zu erfinde ich doch noch ein neues Lieblingsrezept.

Bulgurdellen nach Bifteki-Art

Vielleicht habt Ihr schon einmal die köstlichen veganen Cig Köfte gegessen, die man roh aus Bulgur formen kann? Ich hatte etwas zu groben Bulgur genommen und dann kurzerhand mit veganem Feta gefüllte Frikadellen geformt aus Köfte und zur Hälfte gekochten Kartoffeln und diese Bulgurdellen dann auch angebraten: Ganz heißer Tipp, auch am nächsten Tag und kalt.

Bulgurdellen
Rezept folgt

Falls Ihr Cig Köfte ausprobieren möchtet: Die Herstellung verfärbt die Plastikschüsseln der meisten Küchenmaschinen dauerhaft - wir haben eine extra Rührschüssel nur für Sachen mit färbenden Gewürzen, aber Ihr vielleicht nicht. Mit der Hand kneten ist machbar, aber es dauert und man macht es am besten mit Handschuhen. Am besten schaut ihr nach diesem oder einem ähnlichen Bulgur in einem orientalischen oder türkischen Supermarkt.

Strategische Entschleunigung

So ein Bulgur, der erst nachhaltig massiert werden will, um dann zu verlockenden Cig Köfte zu werden, der ist eine feine Aufgabe. Eigentlich sind alle Rezepte, die Zeit und Hingabe verlangen, ein Geschenk in diesem Zeitalter, in dem wir als Kauf- und Klickvieh am liebsten immer Instant Gratification erwarten sollen. Als würden das die meisten nicht sowieso schon tun: Ihre Ungeduld und lustbetonte sofortige Entscheidungen kultivieren.

Es ist natürlich supergut, dass es schnelle und entlastende Rezepte für alles Mögliche gibt.

Aber noch besser ist, dass in meinem Kühlschrank eine Focaccia sitzt, die noch mindestens 24 Stunden ihrem Auftritt entgegenschlafen möchte. 24 Stunden Vorfreude und ein Hirn, das auf kleinster Hitze ein bisschen mitsimmert: Welches grobe Salz und welche Kräuter werde ich nehmen? Werde ich sie belegen oder pur genießen? Ich kann den Vorfreude-Tango eines Rezepts mit viel Vorspiel nur empfehlen.

Wir lesen uns! Einen schönen Sonntag
und herzliche Grüße

Melody (Carola Heine)

P.S.

Woher weiß ich so genau und ohne nachzusehen, dass Focaccia weiblich ist und Bulgur männlich, obwohl es DIE Weizengrütze heißt? Weil ich an jedem (verlockenden) Rezept in jedem Buch (nicht Kochbuch) angehalten habe und es mir notiert habe, seit ich denken kann.

Nicht vergessen: Morgen gibt es vielerorts wieder #montagsnudeln 😊

Montagsnudeln


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Melody
Carola Heine, Nickname seit 1994 "Melody". Bloggt seit 1996, lebt vom Schreiben, liebt Foodblogging.
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