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Kochen, Planen und Fühlen in Zeiten der Krise

Liebe Foodies und andere Lesenden,

in ein paar Jahren werden wir hoffentlich darüber lachen, dass aktuell immer entweder Mehl oder Hefe oder beides ausverkauft zu sein scheinen. Mein Tipp: Greift euch Grieß, Quinoa und Haferflocken, damit kommt man auch ganz weit. Unsere drei Rezepte der Woche:

Für den Salat gilt: Das Auge isst mit, und falls er nicht nur die Vorspeise sein soll, verdoppelt bitte die Quinoa.

Feldsalat mit Kaki

Kochen, Planen und Vorratshaltung

So ganz habe ich nicht verstanden, warum auf einmal alle Mehl bunkern möchten. Ich bin ziemlich sicher, dass die meisten nicht selbst gebacken haben, bis sie zuhause mit dem Mehl gesessen haben und dann auch noch Hefe besorgen mussten. Es hat aber auf alle Fälle etwas damit zu tun, dass es einfacher ist, erst mal blind einer Empfehlung zu folgen, als sich kurz hinzusetzen und zu überlegen.

Was ich mir in den Vorrat packe

Mehl und Hefe zählen nicht zu unseren Herausforderungen, da wir seit einigen Monaten auf das Backen von Brot umgestellt haben und daher einen ordentlichen Vorrat von so ziemlich allem haben, was andere gerade jagen. Letzte Woche habe ich einer lieben Kollegin ein Tütchen Trockenhefe per Post verschickt - hoffentlich kommt bald eine Zeit, in der wir über diese Dinge lachen können!

Auch über uns selbst lachen: Gestern habe ich wieder einmal einige der superfeinen Backmischungen aus dem Backschwestern-Shop bestellt und prompt eine Packung Mehl mit geordert.  Mit diesem »Sicherheitshalber«-Gefühl, das uns gerade bundesweit leere Regale beschert.

Den Wunsch danach, sich für einen Mangel wenigstens gefühlt etwas zu wappnen, muss ich dringend in bessere Bahnen leiten.

Was ich mir bei nächster Gelegenheit zusammenpacken werde: Eine ganze 24er Palette gehackte Tomaten in Dosen, bevor die vorhandenen irgendwann zur Neige gehen. Gerne auch Kokosmilch, helle und dunkle Bohnen und sogar Linsen in Dosen: Alles, was das schnelle Zusammenwerfen eines köstlichen Eintopf oder Curry in Kombination mit dem hoffentlich erhältlichen saisonalen Gemüse erleichtert.

Auch eine Palette Kichererbsen in Dosen: Getrocknete habe ich viele, aber mit denen aus der Dose kann man nicht nur superschnell die Lieblingssuppe vom Kind machen. Das Kichererbsenwasser lässt sich tatsächlich wie Eischnee aufschlagen und damit kann man Baiser herstellen oder Grießbrei fluffen.

Was ich ebenfalls konsequent nachkaufe: Mandeln und andere Nüsse. Auf dem Bild seht ihr unsere Herstellung von Salzmandeln nach dem Rezept von Dailyvegan.de: Das Blog von Sean ist wundervoll, unbedingt abonnieren.

Salzmandeln nach Sean von dailyvegan

Bereits vorhanden ist bei uns ein ordentlicher Vorrat getrockneter Hülsenfrüchte und Reis, aber wir haben auch immer einige Oliven und eingelegte Maiskölbchen, getrocknete Tomaten, Cornichons und so weiter im Vorrat, von Pesto und den Grundzutaten (Öle, Gemüsebrühe, Gewürze) ganz zu schweigen. Auch ein paar Konserven mit Mais, Erbsen und so weiter.

Es bleibt nicht aus, dass man sich Gedanken macht, wenn irgendwo Dinge knapp werden, die man immer als selbstverständlich vorausgesetzt hat. Ich bin ehrlich gespannt, welche Vorräte Ihr wesentlich findet. Nicht anhand von Listen, sondern weil Ihr damit halbwegs mühelos ein paar Wochen kochen könntet.

Schreibt es doch bitte in die Kommentare. Selten war es so wertvoll, sich gegenseitig zu inspirieren und durch diese merkwürdige Zeit zu helfen.

Fühlen in Zeiten der Krise

Inspirieren und dabei ganz locker bleiben. Aktuell hat man mehrfach täglich die Gelegenheit, einfach wegzugehen von allen, die den Hals nicht voll bekommen. Die sich an anderen abreagieren. Die aggressiv werden, wenn man nicht ihrer Meinung ist. Und das sind nur die Rezepte 😊 von gesundheitlichen und politischen Themen will ich gar nicht erst anfangen. Schon wenn man nur übers Kochen spricht, merkt man deutlich:

Irgendwie ist es normal geworden, Gefühle darüber zu haben, wie man sich fühlt.

Wie eine Schicht obendrauf, so ein “Ich fühle mich schlecht, weil ich mich schuldig fühle, wenn es anderen nicht so gut geht wie mir”.

Während ich bei Torte und Lasagne ein großer Fan von der extra Schicht obendrauf bin, finde ich die bei Gefühlen zunehmend zu anstrengend dafür, dass es selten etwas bringt, alles so zu schichten. Die Welt brennt. Wir dürfen uns scheisse fühlen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Natürlich hoffe ich, dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut geht, trotz allem. Aber es ist so komplex und betrifft so viele Lebensbereiche, was da gerade passiert. Es lähmt und belastet sogar diejenigen, die jetzt keine wirtschaftlichen Sorgen oder gesundheitlichen Befürchtungen haben.

Sich jetzt schlecht zu fühlen, weil man sich schlecht fühlt? Das ist die extra Last, die jetzt niemand braucht. Lieber ein paar Briefe schreiben, eine Vorratsliste machen oder endlich die Gewürze rümpeln. Oder sich selbst erlauben, dass man das fühlen darf, ohne noch ne extra Schicht Rechtfertigungsgefühl obendrauf zu pappen.

Passt auf euch auf. Wir lesen uns! Einen schönen Sonntag
und herzliche Grüße

Melody (Carola Heine)

P.S.
Nicht vergessen: Morgen gibt es wieder #montagsnudeln 😊

#montagsnudeln


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Kommentare

  • Avatar
    Andrea
    29.03.2020 um 10:18 Uhr

    Liebe Carola,

    wie jeden Sonntag habe ich auch diesen Newsletter mal wieder voller Vergnügen geöffnet und verschlungen. Und hab mich dann gefreut wie ein Plätzchen, als ich den Link auf unsere Backschwestern entdeckt habe. Vielen Dank dafür.

    Zum Thema Vorräte. Damit hab ich auch erst nicht jetzt angefangen. Immer vorrätig habe ich Ölund Essig, Nudeln, und Reis, Mehl und Zucker und Backpulver Und immer Gelierzucker, damit ich gleich loslegen kann mit Marmeladekochen wenn die ersten Früchte auf den Markt kommen, oder wenn mir zwischendurch der Sinn nach Himbeermarmelade steht, die koche ich meistens gefrorenen Himbeeren.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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  • Avatar
    Petra A. Bauer
    29.03.2020 um 12:35 Uhr

    Ich habe mir nie so recht Gedanken über Vorräte gemacht. Meist kaufen wir irgendwas ein, worauf wir in dem Moment Lust haben - und manchmal endet es dann einfach in unserem Vorratsschrank. Davon haben wir jetzt ganz gut 14 Tage gelebt ohne einkaufen zu müssen 😉 Und wir hätten es auch noch länger geschafft, aber gestern kam unsere Lebensmittellieferung. Was wir immer ein wenig mehr da haben, ohne dass ich es jetzt explizit als Vorrat im Katastrophensinn gesehen hätte, sind Nudeln, Reis, Milch, Bananen, Cashewkerne (für Cashewmilch, die man seit Monaten kaum noch irgendwo bekommt), Bio-Schokoknuspermüesli fürs Kind, passierte Tomaten, Küchenrolle, Taschentücher und Klopapier. Mein Mann hatte vor einigen Monaten witzigerweise angefangen Dosenwürstchen und anderes lange haltbares Zeug zu kaufen, weil in Berlin-Köpenick (anderes Ende der Stadt) so ein heftig langer Stromausfall war, dass er meinte, wer weiß, wenn sowas mal größere Ausmaße annimmt, wäre es gut was da zu haben. Von dem Zeug haben wir allerdings bisher gar nichts angerührt.
    Brot backe ich seit einiger Zeit nur noch selber, und zwar, seit ich den Cashewtrester verarbeiten möchte, weil es ja viel zu schade wäre, den wegzuwerfen. Ich habe ein Rezept mit selbst gemachtem Sauerteig, das ich schon seit 30+ Jahren immer benutzt habe, aber ich bin vor einiger Zeit auf die Bequemlichkeit von Brotbackmischen gestoßen. Die letzte Packung davon ist seit zwei Tagen alle, daher war ich sehr entzückt zu lesen, dass es bei Andrea noch Nachschub gibt 😊 Habe ich direkt bestellt! Und ein wenig Verzierhilfe fürs Konditorentöchterchen obendrein.
    Liebe Grüße an alle und schönen Sonntag!
    Petra

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    Melody
    Carola Heine, Nickname seit 1994 "Melody". Bloggt seit 1996, lebt vom Schreiben, liebt Foodblogging.
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